Ildikos Herkunft

 

Ildikos Herkunft


 

Ildikos Eltern wurden nach dem Krieg von Ungarn nach Süddeutschland in ein Dorf in der Nähe Münchens verschlagen. Ildikos Vater war frustriert vom Kriegsverlauf, war er doch Sympathisant der pro-Deutschen faschistischen Pfeilkreuzer. Ildikos Mutter, die aus einfacheren Verhältnissen stammte, als ihr Ehemann, fühlte sich von ihrem adeligen Gatten nicht voll akzeptiert. Sie sah sich als 'Ersatzfrau'. Sie hatte deswegen depressive Neigungen und ihr ein und alles war ihr Sonnenschein, das hübsche Töchterchen Ildiko. Als Ildiko 13 war, traf sie sich ab und zu mit einigen anderen Mädchen in einer Scheune, wo sie gemeinsam onanierten. So wußte Ildiko als junges Mädchen schon ganz genau, wie ein sinnlicher Höhepunkt zu erreichen war, was zu dieser Zeit, Anfang der 60iger Jahre, noch keineswegs selbstverständlich war. Später war sie in einer Klosterschule, war zwischendurch zu einer Ausbildung in München, lernte dort ein bißchen vom Schwabinger Leben kennen, war kurze Zeit mit einem Technikstudenten enger befreundet, und mit 19 beendete sie im hessischen Marburg eine Ausbildung als medizinische Fachkraft. Mit dieser Ausbildung wollte sie später nach Schweden gehen, um die Welt kennenzulernen. Da sie lebensfroh war   - außerdem sexuell besonders attraktiv - fanden sich in ihrem Dunstkreis allerlei Studenten ein, die sich für sie interessierten oder sich gar in sie verliebten. Doch Ildiko hielt sich zurück, wiewohl vielerlei in ihr danach drängte. Ihre Beraterin, eine in Hamburg wohnende Tante, mit der sie einen regen Briefwechsel hatte, versuchte ihr klar zu machen, daß sie nicht einfach ihrem “Trieb” nachgeben, sondern sich aufbewahren sollte für den Richtigen. Das war nun zu der Zeit 1967 als überall ein großer Aufbruch zu verspüren war: Flower-Power in San Francisco, Swinging London, kritischer Schriftstellerkongress in Prag, Studentenbewegung in Berlin. Und zu alldem ständig neue Beatmusik, Pop-, Soul-, Folk-Musik, Tanz und Farben und Sexualbefreiung. Marburg war schon immer eine romantische und betriebsame Stadt der Studenten. So auch zu jener Zeit, als sie in einem Beatkeller, in dem ekstatisch bis nachts um eins getanzt wurde, einen jener bärtigen Revoluzzer aus Berlin kennenlernte, der in den Semesterferien in seiner Heimatstadt war. Der drängte sich nun zwar gewaltfrei aber dennoch machtvoll und lyrisch zwischen ihre Beine, sodaß sie in einem Brief an ihre Tante schrieb, sie habe den interessantesten Mann Marburgs kennengelernt.

 

 

 

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